Samstag, 2. Juni 2007

Bright light city gonna set my soul on fire

Las Vegas ist ja schon tagsüber sehr imposant, aber in der Nacht geht’s hier so richtig zu. Man weiß gar nicht, wo man als erstes hinschauen soll. Überall Lichter, Reklamen, Musik. Und hier scheint alles erlaubt zu sein, was im übrigen Amerika verboten ist. In den Casinos und auch sonst fast überall ist das Rauchen erlaubt, auf der Straße laufen die Leute mit überdimensionalen Cocktailbottichen, die man sich über die Schulter hängen kann, herum. Überall Party. Nur Taxis darf man nicht anhalten.

Ich gehe ein wenig den Strip entlang und schau mir einige Shows vor den Casinos an. Da es schon ziemlich spät ist, werden viele auch nicht mehr gezeigt. Ich mach auch einige Touren durch die Casinos und schau den Leuten beim Spielen zu. Da geht’s wirklich zu wie im Fernsehen: Jung und Alt aus aller Herren Länder sind an den Tischen und Automaten, und sogar die alte Lady mit einem Becher voller Münzen am Einarmigen Banditen ist da.

Im Treasure Island setze ich mich vor einen Pokerautomaten und verspiele ein paar Dollar. Das Interessante ist, wenn man in einem Casino spielt, bekommt man Gratis-Drinks. Egal wie viel man verspielt oder auch nicht, in regelmäßigen Abständen kommt eine nette Lady vorbei und bietet Dir einen Drink von einem Tablett an. Da kann man es schon aushalten. Und weil es mir in Las Vegas gerade so gut gefällt, beschließe ich, noch eine Nacht dranzuhängen, denn noch habe ich viel zuwenig gesehen.

Up around the bend

Im Showroom sind die Sitzplätze im Halbrund um die Bühne angeordnet. Man kommt sich ein wenig vor wie in einem Theater, es ist alles sehr schön ausgestattet. Ich schätze mal dass der Raum Platz für etwa 2000 Personen bietet. Langsam füllt sich der Raum, die Leute kommen mit Getränken herein. Hauptsächlich ein Publikum älteren Semesters. Das Licht geht aus, und Creedence Clearwater Revisited betreten die Bühne. Sie legen gleich mit einem Hit los, und nun scheinen die meisten hier im Saal wirklich verrückt zu werden. Die meisten Leute hält es nicht mehr auf ihren Sitzen, sie hüpfen herum, tanzen und singen mit. Da drin geht’s etwa so zu wie bei den Toten Hosen im Burgtheater. CCRevisited spielen alle Hits der legendären CCR, Stu Cook und Doug „Cosmo“ Clifford unterhalten immer wieder mit Anekdoten aus den alten Zeiten. Die Band ist echt toll, der Sänger hat eine Wahnsinnsstimme, er ist natürlich kein John Fogerty, aber er bringt die ursprüngliche Stimmung der Songs gut rüber. Nach 1 ¾ Stunden haben sie wirklich alle alten CCR Hits gespielt, die Leute verlassen zufrieden den Saal, manche stehen immer noch an der Bühne uns singen.

Ich habe noch vor, mir den Strip auch nachts anzusehen, denn morgen Abend soll es ja schon mit dem Bus weiter nach L.A. gehen. Ich schummle mich also in den Shuttle-Bus, der eigentlich nur für Hotelgäste vorgesehen ist, und fahre zum Strip.

Hey, Tonight

Recht viel mehr Zeit zur Stadtbesichtigung habe ich dann schon nicht mehr. Heute ist der Abend, auf den ich mich schon so lange gefreut habe und um den ich meine ganze Rundreise geplant habe. Also mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel. Mittlerweile darf ich schon in mein Zimmer. Schön, wieder etwas mehr Komfort zu haben. Da ich vom Herumspazieren in der prallen Wüstensonne ziemlich durchnässt bin, drehe ich ein paar Runden im Pool und gönne mir eine halbe Stunde Dösen in meinem King-Size-Bett. Nach der Dusche muss ich mich schon auf den Weg zum „The Orleans Casino & Hotel“ machen.

Ich will mir ein Taxi dorthin nehmen, also gehe ich zur nächst größeren Straße und will ein Taxi aufhalten. Und wie es der Teufel so will kommen kaum welche daher, und diejenigen, die ich sehe, ignorieren mich einfach. Schön langsam habe ich Angst, dass ich zu spät komme. Nach einiger Zeit hält dann doch noch ein Taxi an. Der Fahrer ist ein netter Kroate. Er erklärt mir, dass das, was ich und er machen, eigentlich illegal ist. In Las Vegas ist es nämlich nicht erlaubt, dass Taxis einfach irgendwo anhalten und jemanden mitnehmen. Dazu gibt es, meist vor den Casinos, Taxistände, und nur dort kann man einfach in ein Taxi steigen. Ansonsten muss man eines bestellen. Das erklärt so manches. Ich erkläre dem Fahrer, dass ich gerade aus New York komme und dass es dort ein wenig anders läuft.

Endlich komme ich im Orleans an. Es befindet sich ein wenig abseits vom Strip, aber für Hotelgäste gibt es einen kostenlosen Shuttleservice dorthin. Ich gehe quer durchs Casino zu den Kassen, damit ich mein Onlineticket gegen ein richtiges umtauschen kann. Noch eine halbe Stunde bis zum großen Moment. Spannung und Freude steigen. Ich drehe noch eine Runde im Casino und suche mir dann meinen Platz im Showroom.

Am Strip

Das erste Hotel ist das edle Wynn. Ein halbrundes Gebäude, goldbraun. Davor ein mächtiger Park mit verschlungenen Wegen zum Eingang. Im Inneren wie ein Schloss, nur Gold und Diamanten. Designergeschäfte wohin das Auge reicht. Dior, Chanel, Manolo Blahnik, Louis Viutton, Cartier. Und natürlich ein Ferrari-Store und ein Golf-Club.

Das Treasure Island in Sternform sieht von oben aus wie eine Armee im Risiko-Brettspiel. Davor die Nachbildung einer Pirateninsel. Wasser, Piratenschiff, Kanonen. Über das Wasser führt ein Holzsteg direkt ins Casino. Abends gibts hier eine ziemlich spektakuläre und freizügige Show mit Piraten und Sirenen. Es ist gar nicht so leicht, einen guten Platz zu erwischen, denn auf den schmalen Holzstegen drängen sich ziemlich viele Leute.

Daneben das Mirage. Oben auf dem Gebäude eine überdimensionale Werbung für das Beatles-Musical „Love“, das dort gerade als Show läuft. Auch vor diesem Hotel gibt’s viel Wasser, kleine Wasserfälle, einen Urwald und einen Vulkan, der bei der abendlichen Show spektakulär explodiert.

Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Venetian. Das ist eine Nachbildung von Veneding, inklusive Seufzerbrücke und Markusplatz. Sogar mit Gondeln kann man herumfahren.



Wiederum gegenüber findet man das Ceasars Palace, eine Nachbildung eines römischen Königspalastes. Natürlich inklusive Forum-Shops. Das ist ein echt imposanter Gebäudekomplex.



Daneben das Bellagio mit dem riesigen Brunnen vor dem Hotel. Brunnen ist hier natürlich vollkommen untertrieben, denn eigentlich ist das schon ein richtiger See. Am Abend kann man hier eine Springbrunnenshow bewundern, mit gigantischen Fontänen und klassischer Musik. Im Bellagio gastiert auch der Cirque du Soleil mit einer Show.

Gegenüber das Paris, eine Nachbildung von Paris. Da darf vor allem ein eigener Eiffelturm nicht fehlen. Die restlichen Casinos kann ich mir in der kurzen Zeit gar nicht mehr so genau ansehen, besonders herausragend sind noch das Mandala Bay, das pyramidenförmige Luxor, das disneyschlossartige Excalibur und das MGM Grand.

Welcome to Fabulous Las Vegas

Da mein Flug ja praktisch über den gesamten Kontinent geht, habe ich die Gelegenheit, ein wenig zu schlafen. Da muss ich mich jetzt schon ein wenig selbst loben, denn das habe ich wieder einmal sehr effizient organisiert. Gegen 10 Uhr Ortszeit komme ich in Las Vegas an. Auf dem Flughafen kann ich mir leider keinen Reim auf das öffentliche Verkehrssystem machen, deshalb stelle ich mich für ein Taxi an. Das ist eine gute Entscheidung, denn es stellt sich heraus, dass mein Hotel nicht sehr weit vom Flughafen entfernt ist, und so komme ich für 7 Dollars dorthin. Die Lage macht mich jedoch ein wenig stutzig, denn ich habe mir das ein wenig anders vorgestellt. Allen, die einmal ein Hotel in Las Vegas reservieren müssen, kann ich nur raten, bei der Lagebeschreibung genau aufzupassen, den „in Strip-Nähe“ kann sehr weit davon weg sein, wo man eigentlich hin wollte. Ich bin de facto auch nur 3 Querstraßen vom Strip entfernt, aber die lassen sich aufgrund der großen und meist auch noch abgesperrten Flächen nicht so einfach durchqueren. Und in jede Nebenstraße gehe ich auch nicht mehr rein, seit ich CSI: Las Vegas gesehen habe. Dazu kommt, dass sich der Strip, streng genommen der Las Vegas Boulevard, von Norden bis Süden durch ganz Las Vegas zieht, und im Wesentlichen auch Nord Las Vegas, wo sich der klassische Stadtteil mit den älteren Casinos befindet, mit den neueren Casinos im Süden verbindet. Das ist jener Stadtteil, den wir, oder zumindest ich, mit dem Strip verbinde. Das Hotel befindet sich auf jeden Fall in der Nähe eines Autobahnkreuzes, zwischen Stratosphere Tower und Palace Station (Das ist das Casino-Hotel, in dem O.J. Simpson wegen eines Erpressungsversuches verhaftet wurde). Das Hotel ist sehr nett, auch wenn die Lobby aufgrund von Umbauarbeiten derzeit nicht sehr einladend aussieht. Ich bin noch zu früh dran, um einzuchecken, aber ich kann mein Gepäck an der Rezeption hinterlassen. Bis zum Check-In begebe ich mich also auf eine erste Erkundungstour durch Las Vegas.

Da ich möglichst viel von der Stadt sehen will, mache ich mich wieder zu Fuß auf den Weg, aber leider muss ich sagen, dass es bis zum Strip nicht sehr viel zu sehen gibt. Rundherum ist alles ziemlich mager und scheint ausgestorben, Menschen sehe ich kaum. Ist auch nicht wirklich ein Wunder, denn es ist Mittag, die Sonne brennt herunter und es hat 45 Grad Celsius. Nach ca. einer halben Stunde Fußmarsch komme ich endlich an meinem Ziel an, dem neueren Teil des Strip. Der erste Anblick, der sich mir dort bietet, ist der sich gerade im Bau befindliche goldene Wolkenkratzer von Donald Trump. Und dann geht’s so richtig los.

Freitag, 1. Juni 2007

Start spreading the news, I'm leaving today

Mein letzter Tag in New York. Heute möchte ich nach Staten Island fahren, ein wenig aus Manhatten rauskommen. Ich fahre also mit der Metro bis an die Südspitze Manhattens, zur Station „South Ferry“. In der Hafenstation muss ich leider bemerken, dass das schon ungefähr eine Million Leute auf die Fähre wartet, und das will ich mir wirklich nicht antun. Ich spaziere also noch ein wenig den Hafen entlang, bis zur Brooklyn Bridge. Von dort ist es nicht mehr weit nach Chinatown, und da ich ja genügend Zeit habe, gehe ich zu Fuß dorthin. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich wirklich in der richtigen Gegend in Chinatown war, denn so spektakulär, wie ich mir das vorgestellt hatte, ist es nicht. Genauso wenig wie Little Italy, das mein nächstes Ziel ist.

Ich bin wieder den ganzen Tag in der Stadt unterwegs, und am Abend mache ich mich auf den Weg zum Hafen am Hudson River. Dort genieße ich, wie die Sonne über New Jersey untergeht. Schön langsam wird es dann auch Zeit, nachhause zu gehen. Auf dem Heinweg schaue ich aber noch Times Square vorbei, um einige Fotos zu machen, und dann geht´s gemütlich zurück ins Hostel. Dort packe ich, und bis alles erledigt ist, ist es auch schon nach Mitternacht. Nachdem ich bei der Anreise so gute Erfahrungen mit dem Shuttle-Dienst gemacht habe, ist das auch wieder meine Wahl für die Fahrt zum Flughafen. Der Abflug ist wieder in Newark, um 7.30 Uhr. Das Shuttle soll mich um 3 Uhr Früh abholen. Es zahlt sich für mich nicht mehr aus, schlafen zu gehen, denn ich bin mir sicher, dass ich dann nicht rechtzeitig aufwache. Trotz Weckers.

Ich setze mich also vor den Fernseher und ziehe mir irgendwelche Serien rein, grundsätzlich habe ich ja eine große Auswahl an Kanälen, aber leider funktionieren nur wenige einigermaßen zufriedenstellend. Und wie das bei mir immer ist, wenn ich vor dem Fernseher sitze, schlafe ich nach einer gewissen Zeit ein. Und natürlich wache ich nicht rechtzeitig auf. Gott sei Dank klopft mich der Portier aus meinem Zimmer. Er muss schon eine Weile geklopft haben, denn er sieht schon ziemlich genervt aus. Ich schnappe meine Sachen, holpere die Treppe hinunter – der Aufzug funktioniert nicht – und hetze zum Shuttle-Bus, der schon vor der Tür wartet. Der Fahrer ist angefressen, weil ich zu spät bin, und die anderen Gäste sehen mich auch nicht gerade nett an. Ich bin trotzdem froh, dass sich das alles noch ausgegangen ist, setze mich auf den mir zugewiesenen Platz und genieße meine letzte Fahrt durch Manhatten. In Halbschlaf.