Der Franzose heißt Vincent und ist Franzose. Mehr erfahre ich auch in einem kurzen Gespräch am Morgen nicht. Vincent ist in der Nacht gegen 1 Uhr angekommen, war aber sehr rücksichtsvoll, denn er hat mich nicht aufgeweckt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich einen sehr langen Tag hinter mir hatte. Als ich aufwache, ist er nicht da, wahrscheinlich irgendwo auf der Suche nach einem Baguette. Als ich aus der Dusche komme, steht er plötzlich vor mir. Obwohl ich nichts über ihn gewusst hatte, habe ich ihn mir trotzdem anders vorgestellt. Ich schätze ihn auf ca. 45 Jahre. Wir wechseln ein paar Worte auf Englisch. Es ist mir ein Anliegen, hier mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufzuräumen: Franzosen stinken nicht! Wir verlassen gemeinsam das Zimmer, allerdings in verschiedene Richtungen. Während er einen Tag voller Bewerbungsgespräche vor sich hat, freue ich mich auf eine Tour durch Rom.
Schon am Morgen ist es sauheiß, die Sonne brennt nur so herunter. Margit hat sich mit ihren Freundinnen aus Studienzeiten verabredet und will am Vormittag in eine Therme fahren. Trotz intensiver Anstrengungen komme ich nicht hinter die Sinnhaftigkeit eines Thermenbesuches bei 30 Grad Celsius, aber mir kann das ja Wurscht sein. Der erste Tag war sozusagen nur zum Aufwärmen, heute habe ich meine Digicam eingepackt und bin bereit, Rom unsicher zu machen.
Wir besuchen noch kurz Tobia in seinem Büro und fragen ihn, warum er gestern nicht mehr auf unseren Anruf reagiert hat. Er sagt, er hat keinen Anruf bekommen. Wir zeigen ihm die eingespeicherte Nummer, und er korrigiert und mit dem Unterton, dass wir ja völlig bescheuert sein müssen, weil wir seine Telefonnummer nicht richtig eingespeichert haben. Die Tatsache, dass wir beide dieselbe falsche Nummer hatten, die wir von dem Zettel abgetippt haben, den er uns am Tag zuvor selbst gegeben hat, scheint ihn nicht sonderlich zu beunruhigen.
Um ehrlich zu sein macht Rom eher mich unsicher. Irgendwie gehen die Straßen nicht in die Richtungen, wie sie mein Stadtplan anzeigt. Zuhause haben wir distinktive Straßennamen wie Buchenweg, Lindenweg oder Erlenweg. In Rom heißen alle Straßen irgendwie gleich, zumindest kann man sich unter den Straßennamen nichts vorstellen. Bei der Bushaltestelle steht „Via Nazionale – 5 Stationen“. Bei welcher Station man aussteigen muss, bleibt ein Rätsel. Ich beschließe, die Via Nazionale vorerst zu meiden, weil mir das Ganze ein wenig unheimlich ist.
Da ich ja nicht ganz blöd bin und mein Kurzzeitgedächtnis meistens super funktioniert, entschließe ich mich, dieselbe Tour wie am Vortag zu machen, denn diesen Weg kenne ich wenigstens schon. Ich mache mich also auf zum Kolosseum. Zu meiner Erleichterung ist das Kolosseum immer noch da, auch scheint sich die Größe nicht verändert zu haben. Man kann also annehmen, dass keine Steine vom Kolosseum mehr für den Bau anderer Gebäude verwendet werden. Sehr beruhigend zu wissen, dass ich mir das im nächsten Jahr auch wieder ansehen kann, zumal mir der Weg dorthin ja mittlerweile gut bekannt ist.
Ich mache eine Menge Fotos vom Kolosseum, den Triumphbögen, dem Forum uns van allem, was mir sonst noch unter die Linse kommt. Da ich weder Kapperl noch Sonnenhut habe, brennt mir die Sonne ordentlich auf die Birne. Ich brauche dringend eine Kaffeepause! Ich gehe also in eine Seitenstraße in ein Cafe und bestelle mir ein Bier. Ich studiere den Stadtplan und überlege mir, was ich mir alles ansehen sollte.
Weil ich gerade in der nähe bin, beschließe ich, mir den „Bocca della verita“ anzusehen. Also mache ich mich auf zur Piazza bocca della verita. Auf dem Weg dorthin komme ich noch beim Circus Maximus vorbei. Wer sich dabei eine wunderschöne Arena für Pferderennen vorgestellt hat, wird wie ich ein wenig enttäuscht sein. Von Tribünen keine Spur, nur ein großer Platz, auf dem man die ehemalige Bahn noch erahnen kann, der Rest ist mit Unkraut überwachsen. Ich gehe also quer über den Circus, damit ich zuhause wenigstens davon erzählen kann. Am Ende des Platzes, um einen kleinen Häuserblock herum, kommt man schon zur Piazza bocca della verita.
Für Sightseeingtouren ist Rom ja sowieso super. Alle paar Meter stolpert man über irgendeinen berühmten Stein. Es gibt immer wieder was zu sehen, daher wird einem nie fad und man merkt eigentlich gar nicht, wie weit man schon gegangen ist. Ich stehe also auf besagtem Platz. Ich sehe zwei kleine tempelartige Gebäude mit einem Haufen Säulen, aber keinen Bocca. Da es in Rom so viele wunderbare antike Sehenswürdigkeiten gibt, habe ich immer angenommen, dass die Plätze darum dementsprechend pompös und groß sind, und vor allem, dass diese Sehenswürdigkeiten das Zentrum dieser Plätze darstellen. Denkste. Die Römer scheren sich nämlich einen Dreck um die Sehenswürdigkeiten. Nicht nur, dass sie die Steine einfach verschleppen, sie bauen gerne enge und verwinkelte Gassen um ihre Sehenswürdigkeiten und scheinen darauf zu achten, dass man sich möglichst anstellen muss, um dorthin zu gelangen. Wäre Rom ein Büro, so müsste man sagen, dass es einfach nicht sehr ergonomisch eingerichtet ist.
So auch beim Mund der Wahrheit. Ich habe mit gedacht, diese Skulptur befindet sich auf einer Hauswand, die zu, Platz hin offen ist, und dass sich alle Blicke vom Platz auf den Bocca konzentrieren. Wiedermal denkste. Durch Zufall entdecke ich eine kleine Kirche, die hinter einem Baugerüst versteckt ist. Zwischendurch gehen da Leute ein und aus. Da ich das gesuchte Objekt noch nicht gefunden habe, denke ich mir, ok, schaust halt zuerst in die Kirche rein, wenn die Leute da reingehen, wird’s schon was zu sehen geben. Und siehe da, gleich hinter dem Gerüst verläuft, parallel zur Hausfront, ein kleiner Gang. Der Gang wird zur einen Seite von der Hauswand begrenzt, auf der anderen Seite von Säulen. Vor den Säulen freilich das Baugerüst. Und am Ende dieses Ganges ist der bocca della verita. Davor stehen schon ein paar Japaner schießen massenweise Fotos. Normalerweise steckt man ja die Hand in den Mund hinein. Die kleinen Japanerkinder versuchen alles, was sie finden können, hineinzustecken. Einem der Kinder zieht es beim Versuch, einen Fuß reinzustecken, die Schlapfn aus. Natürlich fällt es auch auf den Allerwertesten. Das Kind weint, die Geschwister lachen schadenfroh, die Mutter schämt sich vor den anderen Besuchern und beginnt wie wild zu schimpfen, und der Vater fotografiert. Endlich bin ich auch an der Reihe, hinter mir Gott sei Dank für kurze Zeit keine Leute, und so kann ich mir das Ganze in Ruhe ansehen. Ich mache natürlich einige Fotos, doch beim Versuch, mich selbst zu fotografieren, wie ich die Hand in den Mund stecken, haut es mich auch fast auf die Pappn, und da ich nicht wie der kleine Japaner enden will, sehe ich diesen Versuch einfach mal als kläglich gescheitert an hoffe, dass mich niemand dabei gesehen hat.
Der nächste geplante Programmpunkt ist der Trevi-Brunnen. Ich hocke mich also in einen der klimatisierten Busse und komme tatsächlich dort an, wo ich hin will. Durch verwinkelte Gassen komme ich schließlich zum Brunnen. Der ist natürlich wunderschön, mit Poseidon an der Spitze erstreckt er sich über eine gesamte Häuserbreite. Und weil der Brunnen so schön ist, sind dort natürlich auch eine Million Leute, die sich gegenseitig vor dem Brunnen fotografieren. Ich habe jedoch aus den Misserfolgen der Vergangenheit gelernt und versuche nicht mehr, mich selbst vor dem Brunnen abzulichten. Am Schluss falle ich vielleicht noch hinein und alle lachen mich aus. Nicht mit mir. Außerdem ist es sehr schwierig, einen guten Platz zum Fotografieren zu ergattern, denn natürlich ist der Platz vor dem Brunnen wieder sehr mickrig dimensioniert – Ergonomiefaktor 0.
Also weiter zur letzten Stätte meiner geplanten Tour, zum Pantheon. Das Pantheon ist ein Tempel mitten in der Stadt, ein rundes Gebäude mit der im Durchmesser größten Kuppel Roms, davor ein Tempel im klassischen griechischen Säulenstil. Man kann sich das vielleicht so vorstellen wie die Verschmelzung eines Gasometers mit einer Holzscheune, bei der jede zweite Latte fehlt. Schaut aber sehr super aus.
Mittlerweile ist es schon Nachmittag, ich mache mich auf den Weg in die Unterkunft. Ich habe mit Margit vereinbart, dass wir uns dort treffen, um dann gemeinsam nach einem Plätzchen zu suchen, um das WM-Viertelfinale Deutschland – Argentinien anzuschauen. Nach langem Suchen finden wir schließlich eine geeignete Bar.
Aufmerksame Leser werden sich wahrscheinlich fragen, was mit Margit passiert ist, während ich mich in der Stadt amüsiert habe. Nun, Margit ist mit ihrer Freundin zu besagter Therme gefahren, und es hat sich herausgestellt, dass die Therme zwar Therme heißt, aber eigentlich gar keine ist, denn das Wasser war kalt. Nicht unbedingt Atterseeniveau, aber doch kalt. Dass aus einer Therme auch kaltes Wasser kommen kann, war mir neu. Die spinnen, die Römer.
Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Leute jagen während 90 Minuten einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen. Dass diese alte Fußballweisheit des ehemaligen englischen Teamstürmers Gary Lineker immer noch Gültigkeit besitzt, müssen wir einmal mehr schmerzhaft miterleben. Argentinien befindet sich schon auf der Siegerstraße, und eigentlich rechnet niemand mehr mit einem deutschen Sieg. Trotzdem befürchten es alle. Und natürlich ist es auch so. Zum Trost bekommen alle Gäste einen Früchtepunsch auf Kosten des Hauses. Ich kann ja mit Früchtepunsch nicht wirklich was anfangen, mir wäre lieber gewesen, wenn sie ein ordentliches Bier zu einem vernünftigen Preis anbieten würden, aber danach sucht man in Rom vergebens. Es gibt nur so genannte Eurohalbe, die aber kein halber Liter, sondern nur 0,4 Liter beinhalten. Und unter 5 Euro bekommt man diese Frechheit schon gar nicht. Viel schlimmer aber noch als diese skandalösen biertechnischen Zustände ist aber das Rauchverbot in italienischen Lokalen. Dauernd muss man raus rennen, um zu rauchen. Das ist wirklich ein raucherfeindliches Land. Sogar in den Gastgärten rauchen die Leute nur heimlich, verstecken die Zigarette unter dem Tisch und blasen den Rauch mit ängstlichem Blick den Rauch über ihren Köpfen in die Luft. Ein Verstoß gegen das Rauchverbot kann zwischen 27,5 und 275 Euro kosten. Wenn man nur heimlich am Klo aus dem Fenster rauchst, kommt man noch einigermaßen billig davon, sobald aber Kinder oder Schwangere in der Nähe sind, erhöhen sich die Strafen drastisch. Ich weiß zwar nicht, was Kinder in einer Bar verloren haben, in der sich grölende Deutsche ansaufen, aber wenigstens erkennt man ein Kind, wenn man es sieht. Bei Schwangeren tut man sich da mitunter schon etwas schwerer, denn nicht alle Frauen sind so konstruiert, dass man zwischen einem harmlosen Fettpölsterchen und einer Schwangerschaftsrundung unterschieden kann. Aber um Geld zu sparen kann man ja im Notfall nachfragen.
Margit trifft sich am Abend wieder mit Freunden, um sich das Spiel Italien – Ukraine anzusehen. Ich will mir das Spiel auf dem Platz ansehen, den wir am Vorabend entdeckt haben. Zuerst fahre ich noch einmal nachhause, um zu duschen, ich will ja nicht, dass der Franzose glaubt, dass Österreicher stinken. Fast komme ich zu spät zum Spiel, weil ich beim Duschen unter Schmerzen feststellen muss, dass mir die Sonne meine Birne schon ziemlich aufgebrannt hat. Zusätzlich habe ich, weil ich den ganzen Tag in meinen Badeschlapfn herumgelaufen bin, eine böser Blase auf der Fußsohle, die höllisch schmerzt. Ich wage zu behaupten, dass kaum ein Mensch vor mir so starke Schmerzen jemals solche Schmerzen ertragen musste. Ich bin halt ein harter Hund. Also schleppe ich mich, vorbei an den furchterregenden Asseln in der Nähe des Bahnhofs, zur Fußballübertragung. Von der Weite höre ich schon die italienische Hymne, dreistimmig, wie man so schön sagt. Laut, falsch, und mit Begeisterung. Vor allem aber laut. Das Spiel entwickelt sich zu unser aller Zufriedenheit super für Italien, und nach dem Sieg wird natürlich so richtig gefeiert. Autocorsos durch die Stadt, die Via Nazionale wird gesperrt. Am nördlichen Ende der Nazionale, unweit des Bahnhofs, befindet sich der Piazza della Repubblica. Dort gibt’s auch einen schönen großen Brunnen, und es gilt als vereinbart, dass sich ganz Rom dort trifft und hineinspringt, wie schon nach dem letzten Sieg. Das ist natürlich nicht erlaubt, und weil die Polizei auch nicht dumm ist, hat sie den Platz abgeriegelt.
Für mich wird es Zeit, nachhause zu gehen, denn ich will nicht schon wieder vor verschlossenen Türen stehen. Vincent ist schon im Zimmer, und spricht mich diesmal auf Deutsch an. Vielleicht hat er den Tag dazu genutzt, einen Intensivkurs zu machen. Da er sich aber nicht für Fußball zu interessieren scheint, beschließe ich, nicht mehr mit ihm zu reden und begebe mich zur wohlverdienten Ruhe.
Freitag, 30. Juni 2006
Donnerstag, 29. Juni 2006
Rom - Tag 1
Wie beginnt man am besten ein Tagebuch? Liebes Tagebuch, … nein! Da rede ich schon lieber übers Wetter: Am Donnerstagmorgen geht über Wien ein heftiges Gewitter nieder, nach Tagen der Hitze für viele eine willkommene Abwechslung. Ich bevorzuge ja eigentlich schönes Wetter, aber an diesem Tag ist mir das egal, denn in wenigen Stunden werde ich in Rom sein, wo mich herrliches Wetter erwartet.
Auf dem Weg zum Flughafen gibt mir meine Schwester, die Beste, noch die aktuellen Wetterdaten durch. Am Donnerstag bewölkter Himmel, Freitag bis Montag Sonne. Schöne Aussichten. Das mulmige Gefühl im Bauch, das sich wegen eines Abfluges bei so schlechten Wetterverhältnissen bei mir eingeschlichen hat, schwindet langsam.
Die Taxifahrt zum Flughafen ist mühsam. Manche Taxler scheinen sich in der Stadt wirklich nicht auszukennen, und mein Taxler wählt natürlich eine Route, die erstens ein Umweg, und zweitens aufgrund der Stoßzeit eine schlechte Wahl ist. Normalerweise würde man sagen, eh klar, der will einen aufs Kreuz legen, aber für die Fahrt zum Flughafen gibt’s einen Pauschalpreis, also akzeptiere ich ohne Reklamation die komische Fahrtroute.
In Wien ist das mit dem Verkehr so eine Sache. Bei schönem Wetter ist alles kein Problem, Totalsperren wie beim Busch-Besuch können den erfahrenen Autofahrern in Wien nichts anhaben, der Verkehr läuft wie geschmiert. Sobald es aber regnet, schaltet das Hirn der Wiener aus, und auf den Straßen herrscht das Chaos, sprich: es gibt Stau. Von den Verhältnissen bei Schneefall will ich hier gar nicht sprechen.
Kluger Mann, der ich bin, habe ich das natürlich einkalkuliert und bin rechtzeitig beim Flughafen. Am Check-In Schalter treffe ich Margit, die mich auf meiner Reise begleiten wird.
Wir betreten eine kleine Maschine der Alitalia, halb leer bleibt. Der Start verläuft problemlos, ebenso der Flug durch die Schlechtwetterzone. Richtiges Essen gibt es während des Fluges nicht, wir können zwischen einem Minisandwich mit Käse und Keksen wählen. Wir entscheiden uns für das Sandwich, die Stewardess gibt uns beides. Wir können nun bereits italienischen Boden unter uns sehen, das Wetter ist schön. Dafür gibt’s jetzt starke Turbulenzen. Das Wenige, das wir im Magen haben, können wir trotzdem bei uns behalten.
Wir landen in Rom, 10 Minuten vor der geplanten Ankunft, wie der Kapitän freudig bekannt gibt. Anscheinend hat sich diese freudige Nachricht aber nicht sehr weit herumgesprochen, denn wir müssen noch 10 Minuten im Flugzeug warten, bis der Shuttlebus kommt. Wenigstens hat bei der Landung keiner geklatscht.
Das Wetter ist natürlich genau so, wie es meine gute Schwester vorausgesagt hat, nämlich bewölkt. Eigentlich das beste Wetter für einen Stadtrundgang. Als wir aussteigen, werden wir eines besseren belehrt. Es ist drückend schwül, und trotz Bewölkung hat es über 30 Grad. Wir schleppen uns zur Gepäckausgabe.
Unser Italientrip war schon längere Zeit geplant. Wir sollen am Montag neue VolontärInnen aussuchen, die ab Herbst freiwillig einen Zivildienst in Österreich leisten werden. Dafür bezahlt die Regierung den Flug für Vertreter der Aufnahmeorganisationen. Und da der Flug ohnehin schon bezahlt wird, beschließen wir, noch ein paar Tage dranzuhängen, oder besser gesagt, hineinzuschieben, um Urlaub in Rom zu machen. Mehrmals frage ich bei unseren Partner an, ob es die Möglichkeit gibt, irgendwo ein Zimmer zu bekommen, aber bis zu unserem Abflug bekomme ich keine Antwort. Bei der Gepäckabgabe rufe ich nochmals im Büro an und lasse meine Emails checken, und zu meiner Verwunderung ist doch noch ein Mail gekommen: es stehen Zimmer zur Verfügung. Nun wissen wir wenigstens, wo wir hinfahren müssen.
Wir nehmen den Zug vom Flughafen nach Rom Termini. Nach einer halbstündigen Fahrt kommen wir dort an. Die Station ist riesengroß und sehr modern, vergleichbar mit dem Bahnhof in Linz. Es dauert eine halbe Ewigkeit, vom Gleis 24 bis zum anderen Ende zu kommen, aber hier schon die erfreuliche Nachricht: Das Haus der Salesianer ist genau gegenüber des Bahnhofs. Wir kommen zur Rezeption und fragen nach unseren Zimmern. Mir wird mitgeteilt, dass ich mein Zimmer mit einem Franzosen namens Vincent teilen muss. Naja, wenns schon nix kostet, nehme ich das gerne in Kauf. Auch, dass es nur einen Schlüssel gibt, und der Franzose erst um halb 1 Uhr nachts ankommen wird.
Das Zimmer ist klein, aber sauber, mit WC und Dusche. Alles, was man braucht, denn viel werden wir uns dort ohnehin nicht aufhalten. Wir packen unsere Sachen aus, duschen und treffen uns im Hof. Wir beschließen, uns zuerst ein Eis zu besorgen und dann einen ersten Rundgang zu machen.
Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass Margit vor ein paar Jahren für ein Jahr in Rom gelebt hat, um zu studieren. Daher ist es nicht möglich, dass wir uns an der Ecke bei einem der zahlreichen Eisstände ein ebensolches holen, nein, wir müssen in ein bestimmtes Geschäft. Dorthin pilgern wir, und es zahlt sich tatsächlich aus, das Eis ist köstlich! Durch Zufall kommen wir bei einem Park mit einer großen Videoleinwand vorbei. Seit einigen Tagen findet ein großes Sommerfilmfestival statt, jeden Abend werden aktuelle Filme, auch Klassiker gezeigt. Und wenn die italienische Nationalmannschaft spielt, werden dort natürlich die Spiele übertragen. Gut zu wissen.
Wir wandern weiter zu einem der sieben Hügel, auf denen Rom erbaut wurde. Ich habe mir die Hügel erstens höher vorgestellt, und zweitens habe ich nicht geglaubt, dass sie so nahe beieinander liegen. Gut, früher lag das Niveau der Stadt natürlich tiefer, und wenn man eine Stadt gründet, hat sie natürlich nicht gleich 3 Millionen Einwohner. Trotzdem hätten die Hügel höher sein können.
Margit ist wirklich eine super Führerin. Sie weiß sehr viel über die Stadt, und was sie nicht weiß, liest sie mir aus einem Reiseführer vor. Fachmännisch, fachfräui…, also wirklich gut dirigiert sie mich durch die Stadt. Der erste große Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten, den Hügel hinab und wir stehen vor dem Kolosseum. Ein beeindruckender Bau. Einiges fehlt natürlich schon, weil sich die Römer nicht darum geschert haben, dass das Kolosseum ein Bauwerk von epochaler Bedeutung ist, haben sie Teile davon einfach verwendet, um andere Gebäude damit zu bauen. Das ist in Rom immer wieder vorgekommen, teilweise wurden auf Ruinen einfach Wohnhäuser gebaut, teilweise wurden bestehende Gebäude geplündert, um billiges Material für andere Bauwerke zu bekommen, wie zum Beispiel auch den Petersdom.
Das Kolosseum ist auf jeden Fall ein sehr imposantes Bauwerk, es muss so etwas wie das Olympiastadion der Antike gewesen sein. Vom Kolosseum gehen wir weiter zum Forum Romanum. Man sieht schon, in Rom jagt ein Highlight das andere. Quer über das Forum, die Stufen hinauf, sind wir schon beim Capitol. Wenn in Mauthausen schon das Gemeindeamt umgebaut wird, möchte ich gleich anregen, es nach diesem Vorbild zu bauen, denn das kann wirklich was. Es befindet sich auf einem Hügel, davor ein großer Platz, den kein geringerer als Michelangelo gestaltet hat. Die haben sich wirklich nicht lumpen lassen. Vom Capitol führen Stufen hinunter zur Piazza de Venezia, einem der Hauptverkehrspunkte in Rom. Hier läuft irgendwie alles zusammen. Der Platz ist ein riesengroßer Kreisverkehr mit Grünfläche in der Mitte. Über dem Platz thront ein riesengroßer, protziger, tempelartiger Palast. Das ist aber keinesfalls ein antikes Bauwerk, sondern hier wollte sich einfach ein reicher römischer Architekt ein Denkmal setzen. Er scheint dabei so übertrieben zu haben, dass zwischenzeitlich sogar davon die Rede war, den Bau wieder wegzureißen.
Von hier fahren wir mir dem Bus wieder zu unserer Unterkunft, denn wir haben uns mit Tobia, einem Mitarbeiter unserer italienischen Partner, zum Essen verabredet. Wie wollen gemeinsam nach Trastevere in eine In-Pizzeria. Wir wollen mit dem Bus dorthin fahren, ca. 30 Minuten. Tobia aber besteht darauf, uns mit seinem Plastikbombermoped zu fahren, denn das dauert nur 10 Minuten. Natürlich haben wir nicht zu dritt auf dem Ding Platz, also lautet der Plan, dass Tobia zuerst mich fährt und dann zurückkommt, um Margit zu holen. 10 Minuten hin, 10 Minuten zurück, wieder 10 Minuten hin. Man kann rechen, wie man will, 10 Minuten sind einfach kürzer als 30 Minuten.
Ich steige auf den Rücksitz und frage nach einem Helm. Tobia hat glaub ich nicht damit gerechnet, dass ich auch einen Helm brauchen könnte, aber in dem Moment, als ich frage, sieht er eine Polizeistreife und ist plötzlich auch der Meinung, dass ich einen Helm brauche. Wir fahren los. Eine ziemlich abenteuerliche Fahrt. Die Straßen sind sehr holprig, da sie größtenteils nicht asphaltiert, sondern gepflastert sind. Das sieht zwar schön aus, ist aber beim Moped fahren und auch beim Bus fahren nicht so lustig. Die Fahrt mit dem Moped selbst ist auch nicht lustig. Eine rote Ampel bedeutet in Italien anscheinend nicht, dass man stehen bleiben muss, sondern nur, dass man aufpassen muss, wenn man über die Kreuzung fährt. Wir schlängeln uns durch Autos, und als wir einen Bus schneiden, der uns wie verrückt nachhupt, kann ich gerade noch mein Knie fest ans Gefährt drücken, bevor es vom Bus abgetrennt wird. Nach 15 Minuten hat die Höllenfahrt ein Ende, Tobia setzt mich ab, um Margit zu holen.
Wir kommen also zu einer Pizzeria, in die ich sonst nie freiwillige hineingehen würde. Sie liegt direkt an einer viel befahrenen Durchzugsstraße. Die Tische sind eng zusammengepfercht, und alles ist bummvoll. Die Leute stehen Schlange, um einen Tisch zu ergattern. Ich stelle mich an, ziemlich hilflos, denn bis ich mitbekomme, dass der Kellner anzeigt, dass Plätze frei geworden sind, sind diese auch schon wieder vergeben. Neben mir in der Schlange steht Ozzy Osborne, zumindest sieht er so aus. Und riecht auch so. Nach einer halben Stunde Wartezeit bekommen wir endlich einen Tisch. Wir sitzen neben einem Pärchen, das Tobia sofort anspricht. Wir bekommen daraufhin deren Wasser, und Tobia schwatzt der jungen Dame gleich mal ein Stück von ihrer Pizza ab. Wir essen ganz gut, und kommen auch mit dem Pärchen ins Gespräch. Wie der Zufall so will, stellt sich heraus, dass sie sich auch für einen Zivildienst beworben hat, bei der Organisation der Don Bosco Schwestern. Telefonnummern werden ausgetauscht, damit man ein gutes Wort einlegen kann.
Auch sonst erfahren wir noch einiges. Zum Beispiel, dass wir für unser Zimmer bezahlen müssen. Grundsätzlich ist das ja kein Problem, aber wenn ich für ein Zimmer bezahle, dann möchte ich nicht, dass man mir, ohne mich zu fragen, einen wildfremden Franzosen ins Zimmer legt. Ich bin ein wenig sauer. Es ist nämlich auch so, dass die Pforte im Haus um 23.30 schließt, und danach gibt es keine Möglichkeit mehr, hineinzukommen.
Wir bezahlen und wollen nach Hause fahren, diesmal mit dem Bus. Tobia schlägt noch einen Rundgang durch den Stadtbezirk vor, denn es sei kein Problem, wenn wir ein wenig später im Haus ankommen, der Potier ist sicher bis 23.45 oder gar Mitternacht noch da. Schließlich muss er sich auch die Zeit vertreiben, bis er Vincent am Flughafen abholt. Es ist ein schöner Rundgang durch das Ausgehviertel, das in den letzten Jahren wiederbelebt wurde. Danach fahren wir mit dem Bus nach Hause und kommen um 23.45 beim Haus, das, wie hätte es anders sein sollen, fest versperrt ist, an. Wir konstatieren bei den Italienern eine gewisse Inkonsequenz der Unpünktlichkeit, denn diese scheint sich nur auf das Kommen, nicht aber auf das Gehen zu beziehen. Wir rufen Tobia unter der Nummer an, die er uns gegeben hat, aber er antwortet nicht. Wir befürchten schon, vor dem Tor warten zu müssen, bis er vom Flughafen zurückkommt, aber Gott sei Dank kommt nach einigen Minuten ein Salesianer nach Hause, der und hineinlässt. Glück gehabt.
Auf dem Weg zum Flughafen gibt mir meine Schwester, die Beste, noch die aktuellen Wetterdaten durch. Am Donnerstag bewölkter Himmel, Freitag bis Montag Sonne. Schöne Aussichten. Das mulmige Gefühl im Bauch, das sich wegen eines Abfluges bei so schlechten Wetterverhältnissen bei mir eingeschlichen hat, schwindet langsam.
Die Taxifahrt zum Flughafen ist mühsam. Manche Taxler scheinen sich in der Stadt wirklich nicht auszukennen, und mein Taxler wählt natürlich eine Route, die erstens ein Umweg, und zweitens aufgrund der Stoßzeit eine schlechte Wahl ist. Normalerweise würde man sagen, eh klar, der will einen aufs Kreuz legen, aber für die Fahrt zum Flughafen gibt’s einen Pauschalpreis, also akzeptiere ich ohne Reklamation die komische Fahrtroute.
In Wien ist das mit dem Verkehr so eine Sache. Bei schönem Wetter ist alles kein Problem, Totalsperren wie beim Busch-Besuch können den erfahrenen Autofahrern in Wien nichts anhaben, der Verkehr läuft wie geschmiert. Sobald es aber regnet, schaltet das Hirn der Wiener aus, und auf den Straßen herrscht das Chaos, sprich: es gibt Stau. Von den Verhältnissen bei Schneefall will ich hier gar nicht sprechen.
Kluger Mann, der ich bin, habe ich das natürlich einkalkuliert und bin rechtzeitig beim Flughafen. Am Check-In Schalter treffe ich Margit, die mich auf meiner Reise begleiten wird.
Wir betreten eine kleine Maschine der Alitalia, halb leer bleibt. Der Start verläuft problemlos, ebenso der Flug durch die Schlechtwetterzone. Richtiges Essen gibt es während des Fluges nicht, wir können zwischen einem Minisandwich mit Käse und Keksen wählen. Wir entscheiden uns für das Sandwich, die Stewardess gibt uns beides. Wir können nun bereits italienischen Boden unter uns sehen, das Wetter ist schön. Dafür gibt’s jetzt starke Turbulenzen. Das Wenige, das wir im Magen haben, können wir trotzdem bei uns behalten.
Wir landen in Rom, 10 Minuten vor der geplanten Ankunft, wie der Kapitän freudig bekannt gibt. Anscheinend hat sich diese freudige Nachricht aber nicht sehr weit herumgesprochen, denn wir müssen noch 10 Minuten im Flugzeug warten, bis der Shuttlebus kommt. Wenigstens hat bei der Landung keiner geklatscht.
Das Wetter ist natürlich genau so, wie es meine gute Schwester vorausgesagt hat, nämlich bewölkt. Eigentlich das beste Wetter für einen Stadtrundgang. Als wir aussteigen, werden wir eines besseren belehrt. Es ist drückend schwül, und trotz Bewölkung hat es über 30 Grad. Wir schleppen uns zur Gepäckausgabe.
Unser Italientrip war schon längere Zeit geplant. Wir sollen am Montag neue VolontärInnen aussuchen, die ab Herbst freiwillig einen Zivildienst in Österreich leisten werden. Dafür bezahlt die Regierung den Flug für Vertreter der Aufnahmeorganisationen. Und da der Flug ohnehin schon bezahlt wird, beschließen wir, noch ein paar Tage dranzuhängen, oder besser gesagt, hineinzuschieben, um Urlaub in Rom zu machen. Mehrmals frage ich bei unseren Partner an, ob es die Möglichkeit gibt, irgendwo ein Zimmer zu bekommen, aber bis zu unserem Abflug bekomme ich keine Antwort. Bei der Gepäckabgabe rufe ich nochmals im Büro an und lasse meine Emails checken, und zu meiner Verwunderung ist doch noch ein Mail gekommen: es stehen Zimmer zur Verfügung. Nun wissen wir wenigstens, wo wir hinfahren müssen.
Wir nehmen den Zug vom Flughafen nach Rom Termini. Nach einer halbstündigen Fahrt kommen wir dort an. Die Station ist riesengroß und sehr modern, vergleichbar mit dem Bahnhof in Linz. Es dauert eine halbe Ewigkeit, vom Gleis 24 bis zum anderen Ende zu kommen, aber hier schon die erfreuliche Nachricht: Das Haus der Salesianer ist genau gegenüber des Bahnhofs. Wir kommen zur Rezeption und fragen nach unseren Zimmern. Mir wird mitgeteilt, dass ich mein Zimmer mit einem Franzosen namens Vincent teilen muss. Naja, wenns schon nix kostet, nehme ich das gerne in Kauf. Auch, dass es nur einen Schlüssel gibt, und der Franzose erst um halb 1 Uhr nachts ankommen wird.
Das Zimmer ist klein, aber sauber, mit WC und Dusche. Alles, was man braucht, denn viel werden wir uns dort ohnehin nicht aufhalten. Wir packen unsere Sachen aus, duschen und treffen uns im Hof. Wir beschließen, uns zuerst ein Eis zu besorgen und dann einen ersten Rundgang zu machen.
Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass Margit vor ein paar Jahren für ein Jahr in Rom gelebt hat, um zu studieren. Daher ist es nicht möglich, dass wir uns an der Ecke bei einem der zahlreichen Eisstände ein ebensolches holen, nein, wir müssen in ein bestimmtes Geschäft. Dorthin pilgern wir, und es zahlt sich tatsächlich aus, das Eis ist köstlich! Durch Zufall kommen wir bei einem Park mit einer großen Videoleinwand vorbei. Seit einigen Tagen findet ein großes Sommerfilmfestival statt, jeden Abend werden aktuelle Filme, auch Klassiker gezeigt. Und wenn die italienische Nationalmannschaft spielt, werden dort natürlich die Spiele übertragen. Gut zu wissen.
Wir wandern weiter zu einem der sieben Hügel, auf denen Rom erbaut wurde. Ich habe mir die Hügel erstens höher vorgestellt, und zweitens habe ich nicht geglaubt, dass sie so nahe beieinander liegen. Gut, früher lag das Niveau der Stadt natürlich tiefer, und wenn man eine Stadt gründet, hat sie natürlich nicht gleich 3 Millionen Einwohner. Trotzdem hätten die Hügel höher sein können.
Margit ist wirklich eine super Führerin. Sie weiß sehr viel über die Stadt, und was sie nicht weiß, liest sie mir aus einem Reiseführer vor. Fachmännisch, fachfräui…, also wirklich gut dirigiert sie mich durch die Stadt. Der erste große Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten, den Hügel hinab und wir stehen vor dem Kolosseum. Ein beeindruckender Bau. Einiges fehlt natürlich schon, weil sich die Römer nicht darum geschert haben, dass das Kolosseum ein Bauwerk von epochaler Bedeutung ist, haben sie Teile davon einfach verwendet, um andere Gebäude damit zu bauen. Das ist in Rom immer wieder vorgekommen, teilweise wurden auf Ruinen einfach Wohnhäuser gebaut, teilweise wurden bestehende Gebäude geplündert, um billiges Material für andere Bauwerke zu bekommen, wie zum Beispiel auch den Petersdom.
Das Kolosseum ist auf jeden Fall ein sehr imposantes Bauwerk, es muss so etwas wie das Olympiastadion der Antike gewesen sein. Vom Kolosseum gehen wir weiter zum Forum Romanum. Man sieht schon, in Rom jagt ein Highlight das andere. Quer über das Forum, die Stufen hinauf, sind wir schon beim Capitol. Wenn in Mauthausen schon das Gemeindeamt umgebaut wird, möchte ich gleich anregen, es nach diesem Vorbild zu bauen, denn das kann wirklich was. Es befindet sich auf einem Hügel, davor ein großer Platz, den kein geringerer als Michelangelo gestaltet hat. Die haben sich wirklich nicht lumpen lassen. Vom Capitol führen Stufen hinunter zur Piazza de Venezia, einem der Hauptverkehrspunkte in Rom. Hier läuft irgendwie alles zusammen. Der Platz ist ein riesengroßer Kreisverkehr mit Grünfläche in der Mitte. Über dem Platz thront ein riesengroßer, protziger, tempelartiger Palast. Das ist aber keinesfalls ein antikes Bauwerk, sondern hier wollte sich einfach ein reicher römischer Architekt ein Denkmal setzen. Er scheint dabei so übertrieben zu haben, dass zwischenzeitlich sogar davon die Rede war, den Bau wieder wegzureißen.
Von hier fahren wir mir dem Bus wieder zu unserer Unterkunft, denn wir haben uns mit Tobia, einem Mitarbeiter unserer italienischen Partner, zum Essen verabredet. Wie wollen gemeinsam nach Trastevere in eine In-Pizzeria. Wir wollen mit dem Bus dorthin fahren, ca. 30 Minuten. Tobia aber besteht darauf, uns mit seinem Plastikbombermoped zu fahren, denn das dauert nur 10 Minuten. Natürlich haben wir nicht zu dritt auf dem Ding Platz, also lautet der Plan, dass Tobia zuerst mich fährt und dann zurückkommt, um Margit zu holen. 10 Minuten hin, 10 Minuten zurück, wieder 10 Minuten hin. Man kann rechen, wie man will, 10 Minuten sind einfach kürzer als 30 Minuten.
Ich steige auf den Rücksitz und frage nach einem Helm. Tobia hat glaub ich nicht damit gerechnet, dass ich auch einen Helm brauchen könnte, aber in dem Moment, als ich frage, sieht er eine Polizeistreife und ist plötzlich auch der Meinung, dass ich einen Helm brauche. Wir fahren los. Eine ziemlich abenteuerliche Fahrt. Die Straßen sind sehr holprig, da sie größtenteils nicht asphaltiert, sondern gepflastert sind. Das sieht zwar schön aus, ist aber beim Moped fahren und auch beim Bus fahren nicht so lustig. Die Fahrt mit dem Moped selbst ist auch nicht lustig. Eine rote Ampel bedeutet in Italien anscheinend nicht, dass man stehen bleiben muss, sondern nur, dass man aufpassen muss, wenn man über die Kreuzung fährt. Wir schlängeln uns durch Autos, und als wir einen Bus schneiden, der uns wie verrückt nachhupt, kann ich gerade noch mein Knie fest ans Gefährt drücken, bevor es vom Bus abgetrennt wird. Nach 15 Minuten hat die Höllenfahrt ein Ende, Tobia setzt mich ab, um Margit zu holen.
Wir kommen also zu einer Pizzeria, in die ich sonst nie freiwillige hineingehen würde. Sie liegt direkt an einer viel befahrenen Durchzugsstraße. Die Tische sind eng zusammengepfercht, und alles ist bummvoll. Die Leute stehen Schlange, um einen Tisch zu ergattern. Ich stelle mich an, ziemlich hilflos, denn bis ich mitbekomme, dass der Kellner anzeigt, dass Plätze frei geworden sind, sind diese auch schon wieder vergeben. Neben mir in der Schlange steht Ozzy Osborne, zumindest sieht er so aus. Und riecht auch so. Nach einer halben Stunde Wartezeit bekommen wir endlich einen Tisch. Wir sitzen neben einem Pärchen, das Tobia sofort anspricht. Wir bekommen daraufhin deren Wasser, und Tobia schwatzt der jungen Dame gleich mal ein Stück von ihrer Pizza ab. Wir essen ganz gut, und kommen auch mit dem Pärchen ins Gespräch. Wie der Zufall so will, stellt sich heraus, dass sie sich auch für einen Zivildienst beworben hat, bei der Organisation der Don Bosco Schwestern. Telefonnummern werden ausgetauscht, damit man ein gutes Wort einlegen kann.
Auch sonst erfahren wir noch einiges. Zum Beispiel, dass wir für unser Zimmer bezahlen müssen. Grundsätzlich ist das ja kein Problem, aber wenn ich für ein Zimmer bezahle, dann möchte ich nicht, dass man mir, ohne mich zu fragen, einen wildfremden Franzosen ins Zimmer legt. Ich bin ein wenig sauer. Es ist nämlich auch so, dass die Pforte im Haus um 23.30 schließt, und danach gibt es keine Möglichkeit mehr, hineinzukommen.
Wir bezahlen und wollen nach Hause fahren, diesmal mit dem Bus. Tobia schlägt noch einen Rundgang durch den Stadtbezirk vor, denn es sei kein Problem, wenn wir ein wenig später im Haus ankommen, der Potier ist sicher bis 23.45 oder gar Mitternacht noch da. Schließlich muss er sich auch die Zeit vertreiben, bis er Vincent am Flughafen abholt. Es ist ein schöner Rundgang durch das Ausgehviertel, das in den letzten Jahren wiederbelebt wurde. Danach fahren wir mit dem Bus nach Hause und kommen um 23.45 beim Haus, das, wie hätte es anders sein sollen, fest versperrt ist, an. Wir konstatieren bei den Italienern eine gewisse Inkonsequenz der Unpünktlichkeit, denn diese scheint sich nur auf das Kommen, nicht aber auf das Gehen zu beziehen. Wir rufen Tobia unter der Nummer an, die er uns gegeben hat, aber er antwortet nicht. Wir befürchten schon, vor dem Tor warten zu müssen, bis er vom Flughafen zurückkommt, aber Gott sei Dank kommt nach einigen Minuten ein Salesianer nach Hause, der und hineinlässt. Glück gehabt.
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